Wie bereits angedeutet, sind die Bedrohungsfaktoren für wildlebende Papageienbestände vielfältig. Daher ist es unmöglich eine Art Standardrezept für den Schutz von bedrohten Papageien zu formulieren. Das bedeutendste Werk zum Papageienschutz ist der Parrot Action-Plan, der u.a. vom Institut für Papageienforschung e.V. mitfinanziert wurde. Nachfolgend sind einige grundlegende Ansatzpunkte für den Papageienschutz zusammengefasst:
Freilandstudien und Bestandserfassungen
Von vielen Papageienarten gibt es nur unzureichende Daten über ihr Freileben oder ihren Status. Diese Angaben sind aber Grundvoraussetzung für mögliche Schutzmaßnahmen im Lebensraum. Man kann eine Art nicht bei ihrem Überlebenskampf unterstützen, wenn man nicht weiß, welche Ansprüche sie an ihren Lebensraum stellt und wie groß ihr Bestand ist. Da die finanziellen Mittel im Naturschutz begrenzt sind, bieten Freilandstudien eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Auswahl möglicher Schutzgebiete und -projekte. Nur so kann effektiver Artenschutz geleistet werden. In vielen Fällen kann man mit relativ geringen finanziellen Mitteln entsprechende Studien betreiben. Dies hat auch das IPF in Zusammenarbeit mit dem Fond für bedrohte Papageien an der Ecuadoramazone getan. Um so trauriger ist es, dass wir immer noch so wenig über die meisten Papageienarten wissen.
Schutz von Lebensräumen
Das primäre Ziel des Artenschutzes ist der Schutz oder die Wiederherstellung von Lebensräumen. Dazu gehört eine effektive Kontrolle bzw. Unterbindung von Fang und Jagd sowie die Finanzierung und das Management geeigneter Schutzgebiete in Form von überwachten Nationalparks und Reservaten. Bedeutende Nationalparks gibt es in Australien, Südamerika und Afrika. Um auch die einheimische Bevölkerung vom Sinn solcher Projekte zu überzeugen, strebt man entsprechende Lehrangebote, Schaffung von Verdienstmöglichkeiten z. B. als Mitarbeiter im Nationalpark oder durch Ökotourismus etc. an. Ferner müssen weitere Forschungsprojekte ermöglicht werden, die dabei helfen, die Schutzmaßnahmen zu verfeinern. Man weiß heute, dass die Mehrzahl der bedrohten Vogelarten ein relativ stark begrenztes Verbreitungsgebiet haben. Daher ist es sinnvoll diese Landstriche zu schützen, da sie neben den bedrohten Papageien auch gleichzeitig Heimat für viele andere Tier- und Pflanzenarten sind. Mehr zum Thema bei Rettet den Regenwald eV oder Pro REGENWALD online.
Einfuhrverbot für Papageien
Da auch der Wildvogelhandel immer noch zur Dezimierung der Papageienbestände in ihrem Lebensraum führt, sollte er schnellstmöglich unterbunden werden. Entsprechende gesetzliche Regelungen werden in Europa seit langem gefordert. Leider bislang ohne den wünschenswerten Erfolg. Es ist der zunehmenden Vernunft der Tierhalter zu Verdanken, dass immer weniger Wildvögel importiert werden, da sie verstärkt auf Nachzuchten oder "Zweithandvögel" zurückgreifen. Grundsätzlich sollte man auf den Erwerb wildgefangener Papageien verzichten. Auskunft darüber, ob ein Vogel importiert wurde oder aus einer Nachzucht stammt, gibt die CITES-Bescheinigung, die man beim Erwerb des Tieres normalerweise ausgehändigt kriegt.
Zuchtprojekte für bedrohte Arten
Das rapide Aussterben von immer mehr Tierarten hat zu einer kontroversen Diskussion über mögliche Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten geführt. Eine dieser diskutierten Methoden ist Erhaltungszucht, bei der versucht wird, durch den gezielten Aufbau von "Unter-Draht-Populationen" bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren. Fernziel hierbei ist eine spätere Wiederansiedlung in einem geeigneten Lebensraum. Tatsächlich konnten in einigen Fällen Tiere vor allem in zoologischen Gärten vermehrt und anschließend wiederangesiedelt werden. Allerdings muss vor einer übertriebenen Erwartungshaltung gegenüber der Wirksamkeit solcher Projekte gewarnt werden. Christoph Imboden, ein Verantwortlicher der größten internationalen Vogelschutzorganisation BirdLife International hat diese Begebenheit bereits 1987 treffend formuliert: "Erhaltungszuchten können nur dann ein brauchbares Instrument zur Rettung bedrohter Arten sein, wenn sie unter äußerst sorgfältig kontrollierten Bedingungen durchgeführt werden - in sehr vielen Fällen sind sie allerdings eine reine Illusion." Dennoch sollten Halter bedrohter Arten entsprechende Projekte unterstützen, und ihre Tiere bei den jeweiligen Zuchtbuchführern anmelden. Wann werden Sie ein Papageienzüchter?
Was kann der einzelne Papageienhalter tun?
Ein wichtiger Beitrag ist der bereits erwähnte Verzicht auf importierte Wildvögel. Die Bedrohungssituation der meisten Papageienarten verlangt allerdings nach mehr Engagement vom einzelnen Papageienhalter. Grundsätzlich sollte jeder Papageienhalter sich dazu verpflichtet fühlen, sich über die Pflege der eigenen "Heimpapageien" hinaus auch für die Belange wildlebender Papageien zu interessieren. Dies kann man am besten dadurch tun, dass man sich einer entsprechenden Organisation anschließt, die Schutzprojekte für Papageienvögel oder entsprechende Lebensräume fördert. Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist auch beim Artenschutz oftmals das Geld der limitierende Faktor. Vielleicht sollte man vor der Anschaffung weiterer Papageien für einige Tausend Mark überlegen, ob es nicht ebenso befriedigend sein könnte, wenn man mit diesem Geld z.B. eine Freilandstudie unterstützt und somit zum Erhalt einer ganzen Art wesentlich beitragen kann. Wir beraten Sie gerne über Ihre Möglichkeiten.
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