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Papageien in Menschenobhut: Zucht |
Da das Fortpflanzungsverhalten zu den Grundbedürfnissen einer jeden Tierart gehört, können wir die "Zucht" im Sinne einer selbständigen Vermehrung im Haltungssystem nicht aus unseren Bemühungen heraushalten. Dabei sollte man aber nie vergessen, dass die aufwachsenden Jungtiere irgendwann in eine geeignete Unterbringung überführt werden müssen. In der Regel sind die eigenen Möglichkeiten schnell ausgeschöpft, so dass man um eine Abgabe von Tieren nicht herumkommt. Hier sollte man größte Sorgfalt walten lassen, damit die Jungtiere in geeignete Hände kommen, wo sie die Chance erhalten, in einem entsprechenden Haltungssystem einen Partner zu finden.

Kann man dies nicht gewährleisten, sollte man auf weitere Zuchtbemühungen lieber verzichten. Dies gilt insbesondere für Arten, die sich relativ häufig zur Brut bringen lassen und entsprechend viele Jungvögel hervorbringen.
Sofern man bedrohte Papageienarten hält und vermehrt, sollte man sich umhören, ob es für die betreffende Art nicht ein seriös geführtes Erhaltungszuchtprogramm (z. B. EEP) gibt. Auch wenn solche Projekte umstritten sind, ist es dennoch weitaus sinnvoller, sich beim Zuchtbuchleiter registrieren zu lassen und die Jungvögel in das Programm einfließen zu lassen, als stillschweigend vor sich hinzuzüchten.
Geschlechtsbestimmung
Eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Zucht ist natürlich die Zusammenstellung eines gegengeschlechtlichen Paares. Da sich die Geschlechter vieler Papageienarten nicht aufgrund äußerlicher Kennzeichen erkennen lassen (Geschlechtsmono-morphismus), sind molekularbiologischen Methoden der Geschlechtsbestimmung notwendig.
Hier finden Sie Kontakte zu entsprechend ausgestatteten Laboratorien:
Zusammenstellung von Paaren
Die Zusammenstellung eines harmonierenden Paares ist nicht unproblematisch, da Papageien - ihre Partner nach bislang unbekannten, scheinbar individuellen Kriterien auswählen. Die Paare bilden sich nach den bisherigen Erkenntnissen im Jugendalter. Doch natürlich können auch noch ältere Tiere erfolgreich miteinander vergesellschaftet werden, wenngleich dies mitunter erheblich komplizierter sein kann. Um den Papageien zumindest eine beschränkte Auswahl an potentiellen Partnervögeln zu bieten, sollte man, sofern man die Möglichkeit dazu hat, eine kleine Gruppe halten. Leider sind viele Halter dazu gezwungen, ihre Tiere einer Zwangsverpaarung zu unterziehen. Hierbei werden zwei möglichst gegengeschlechtliche Tiere zusammengehalten in der Hoffnung, dass sich die Papageien einander anschließen. Folgende Punkte sollten bei einer Verpaarung beachtet werden:
- Es ist günstig, wenn die Tiere in ihren Käfigen zunächst einige Tage nebeneinander stehen und Laut- und Sichtkontakt aufnehmen können. Möglichst sollte hierfür ein beiden Tieren unbekannter Raum gewählt werden, damit kein "Heimvorteil" für einen der Vögel entsteht.
- Nach einigen Tagen gewährt man den Tieren gemeinsame Zimmerausflüge, die eine weitere Kontaktmöglichkeit darstellen. Auf diese Weise wird eine gewisse Gewöhnung erreicht, bevor die Tiere eine gemeinsame Unterkunft (geräumige Voliere) beziehen.
- Vor allem zahme Papageien haben Schwierigkeiten sich mit den neuen Artgenossen auseinander zu setzen. Der vorherige Partner Mensch sollte sich aber nur in ernste Auseinandersetzungen einschalten und die Tiere ansonsten gewähren lassen.
- Die Tiere sind sorgfältig zu beobachten und bei ernsthaften Auseinandersetzungen zu trennen. Teilweise muss man Papageien mehrere Artgenossen "vorstellen".
- Nur artgleiche Tiere vergesellschaften, da bei ihnen die Kontaktaufnahme am günstigsten abläuft. Möglichst gegengeschlechtliche Tiere verpaaren.
- Eine andere Möglichkeit bietet sich dann, wenn man beide Tiere in eine für sie unbekannte Umgebung bringen und sie direkt in der künftigen Voliere zusammenbringen kann. Diese sollte dann aber so groß sein, daß die Möglichkeit zum Ausweichen besteht.
Nistgelegenheiten
Papageien sind überwiegend Höhlenbrüter, die in freier Wildbahn ausgehöhlte Äste, Baumstämme etc. als Nistgelegenheit benutzen. Zur Zucht in Menschenobhut sind daher künstliche Bruthöhlen erforderlich, die bestimmte Kriterien erfüllen sollten.

Es gibt verschiedene Nistkastentypen, die alle mehr oder minder geeignet sind. Gerade bei Nistkastenauswahl kommt es auch auf die individuellen Vorzüge des jeweiligen Paares an, so dass es sich empfiehlt, zunächst mehrere Versionen anzubieten, um den Vögeln eine Auswahl zu ermöglichen. Hat sich dann eine Variante als erfolgreich erwiesen, sollten die anderen Nistkästen aus der Voliere entfernt werden, um die Tiere nicht unnötig abzulenken.
Ebenso wichtig wie die Bauweise des Nistkasten kann mitunter der Standort des selben sein. Hier empfiehlt sich ebenfalls die Möglichkeit zur Wahl durch mehrere unterschiedliche Standorte zu ermöglichen. Diese sollten aber nur in Innenvolieren gelegen oder durch ein Dach geschützt sein. In der Praxis haben sich sowohl ausgedrechselte Naturstammnisthöhlen als auch selbstgezimmerte Holzkästen bewährt. Wenige Zentimeter über dem Nistkastenboden bringen wir eine Kontrollklappe an. Diese ermöglicht während einer Brut das ständige Beobachten des Brutgeschehens. Beim Nistkastenbau sollte man möglichst fugenlos arbeiten, um den Lichteinfall möglichst gering zu halten.
Dunkle Innenräume einer Nistgelegenheit scheinen dem Sicherheitsbedürfnis vieler Paare entgegenzukommen. An der Innenseite der Nistgelegenheit bringen wir eine Kletterhilfe an, die dem Weibchen und den flügge werdenden Jungtieren das Hinein- und Herausklettern aus dem Kasten erleichtert. Eine solche Kletterhilfe kann man leicht aus Hartholzleisten oder kleinen Ästen, etc. herstellen. Wenn die Tiere sehr nagefreudig sind, empfiehlt sich mitunter die Verwendung von punktgeschweißtem, spitzenfreien Gitter.
Nistkästen werden aufgrund der mitteleuropäischen Klimaverhältnisse ausschließlich im Innenraum aufgehängt. Als Standort wählt man in der Regel das obere Volierendrittel, sehr große Nistkästen werden manchmal auch auf Sockeln o. ä. befestigt.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass Papageien durchaus in kleineren Sozialgruppen gehalten werden können, sofern die Unterbringungsmöglichkeiten entsprechend dimensioniert sind.
Doch für eine erfolgreiche Zucht empfiehlt sich in der Regel eine paarweise Unterbringung der Papageien. Dies ist vor allem mit der teilweise sehr aggressiven Stimmung brutwilliger Paare zu begründen, die ein Zusammenleben von mehreren Tieren in einer Voliere in der Regel unmöglich macht. Nur wenn sehr geräumige Volieren mit entsprechender Inneneinrichtung und ständiger Kontrolle durch den Pfleger vorhanden sind, könnte ein Brutversuch in der Gruppenhaltung durchführbar sein.
Derartige großzügige Bedingungen sind allerdings kaum zu finden, so dass ernsthafte Versuche meines Wissens bislang ausgeblieben sind. Aus den selben Gründen empfiehlt es sich auch, Papageienpaare, die in Brutstimmung geraten sind, nicht in direkt benachbarten Volierenabteilen zu halten. Auf diese Weise vermeiden wir Rivalitäten zwischen den Paaren (Beißereien am Gitter u. ä.), die nicht selten zu Verletzungen führen können, sofern kein entsprechender Abstand und eine doppelte Drahtbespannung zwischen den Abteilen vorhanden ist. Aber selbst dann können sich rivalisierende Tiere gegenseitig vom Brutgeschäft abhalten.
Im Gegensatz dazu, wirkt sich ein Sicht- und Lautkontakt aus mehreren Metern Entfernung durchaus positiv auf die Zuchterfolge mancher Exemplare aus. Am günstigsten setzt man hierzu in die jeweils benachbarte Voliere artfremde Tiere als "Puffer" zwischen die Papageienpaare. Als letzte Bedingung für einen erfolgreichen Brutverlauf sei der Faktor "Ruhe" genannt. Besonders Graupapageien und einige afrikanischen Langflügelpapageien haben sich als sehr störanfällig und nervös bei einer Brut gezeigt. Nachgezüchtete Tiere, die an die Anwesenheit des Menschen gewohnt sind, werden zwar zur Zuchtperiode auch zunehmend misstrauisch und aggressiv, lassen sich aber längst nicht so schnell vom Brutgeschäft abhalten.
Im allgemeinen sollte der Pfleger zur Brutphase bemüht sein, alle unnötigen Störungen, wie z. B. lärmende Besucher, Umbauarbeiten oder übertrieben durchgeführte Nistkastenkontrollen unterbinden.
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